Zündspulen prüfen - erst einmal für 12 V

Zündung, elektronisch oder mechanisch, EBZA, Steini und ähnliche Systeme

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WABUFAN
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Zündspulen prüfen - erst einmal für 12 V

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Sonntag 4. Januar 2009, 16:57

Die Zündspule kann verschiedene Fehlerbilder erzeugen.
Vom Stottern des Motors, spontanem Ausfall eines Zylinders bis hin zu Zündaussetzern beim Beschleunigen.
Leider lassen sich die Fehler im Fahrzustand schlecht eingrenzen.
Man kann nun eine Prüfung im eingebauten Zustand vornehmen. In vielen Fällen klappt das.
Aber wenn die Spule einen Windungsschluss hat oder gar eine Unterbrechung, wird es schwierig. Von einem Inneren Überschlag ganz zu schweigen.
Mit einem Netztrafo und einem Multimeter kann man auch auf dem Küchentisch prüfen.
Hier nochmals die Daten der 12 V - Zündspule :
Zwischen den Anschlüssen ( 1 ) und ( 15 ) kann man 4,9 Ohm messen und an den Anschlüssen ( 1 ) und ( 4 ) kann man 9.400 Ohm messen. Das Übersetzungsverhältniss ist dann Wurzel aus 9.400 : 5 ca. 40 ( --> Genau 9.400 : 4,9 = 1.918, daraus die Wurzel ist = 43,8 ).
Die Spule hat eine Induktivität von 4,37 mH ( Millihenry ) - gemessen.
Hier die Schaltung :

Zündspule_50_Hz.jpg

Der Netztrafo gibt an die Primärseite der Zündspule Anschluss ( 1 ) und ( 15 ) 4 V~ mit 50 Hz ( Netzfrequenz ).
An der Sekundärseite der Spule an den Anschlüssen ( 1 ) und ( 4 ) kann ich ca. 160 V~ messen. Die Zündspule wird wie ein normaler Transformator geschalten.
Wenn man nach rechnet, also 160 V : 4 V = 40, ist die Zündspule in Ordnung. Die 40 sind mit den Verlusten im Transformator ( Zündspule ) zu erklären. Der Wirkungsgrad hat bei dieser Zündspule 91,3 %.
Weichen die Werte um mehr wie ± 10 % ab, dann sollte man die Zündspule auswechseln.
Die 4 V~ 50 Hz zum prüfen fand ich eher zufällig. Ein Klingeltrafo 6 V~ / 0,5 A nahm ich ( DDR - KT 06 - VEB ELMET Hettstädt ). Dabei brach die Spannung durch die Belastung auf 4 V~ zusammen. Mit einem Multimeter dann gemessen und es ergaben sich an der Zündspule die 160 V~.
Leget man 6 V~ an misst man 240 V~ und bei 12 V~ sind es 480 V~. Nicht ganz ungefärlich und nicht jedes Multimeter hat dafür einen Messbereich.
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig
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Re: Zündspulen prüfen - erst einmal für 12 V

Ungelesener Beitragvon Tomtom » Sonntag 4. Januar 2009, 19:50

Prima Idee und interessantes Thema! Deine Lichtblicke sind wirklich genial :lol:

Parallel dazu können wir mal einen Blick in eine geöffnete Zündspule werfen.
zuendspule.jpg

Die Spule ist in eine teerartige Masse vergossen.
Die beiden Anschlüsse (1) und (15) kommen irgendwo in der Mitte aus den Wicklungen raus.
Im Zentrum kann man deutlich das Eisenpaket des Spulenkerns sehen - wie bei einem normalen Trafo.
Der Eisenkern ist nicht mit Vergußmasse gefüllt, es ist also ein "Luft-Eisen"-Paket. Ich weiss nicht wie es heißt, hat aber was mit den magnetischen Eigenschaften und damit dem Wirkungsgrad zu tun.
Die innere Hülse ist aus Pappe oder Hartpapier.
Eine äußere Hülse ist ebenfalls zu erkennen: Diese ist aber aus dünnem Eisenblech. Ob Kern und diese Hülse magnetisch verbunden sind und somit einen "Topf" bilden, kann ich nicht sagen.... Es könnte auch nur ganz simpel der magn. Abschirmung dienen.

Interessant ist der Anschluß zum Zündkabelkontakt in der Mitte. Eine sehr straffe Feder drückt hier eine fein verdrehte Litze gegen den Kontakt im Zündspulenkopf. Ich meine hier wird ein mechanisches Problem gelöst: Die Sekundär-Wicklung mit vielen 1000 Windungen ist ein extrem dünner Kupferdraht, der nicht gelötet werden kann und wahrscheinlich sehr schnell bricht.
Durch Papphülse und Vergussmasse ist keine weitere Isolierung der Hochspannung erforderlich.

Der Pertinaxkopf ist auf der Innenseite ähnlich wie ein Isolator im Umspannwerk in 3 oder 4 Ringe unterteilt und verhindert somit einen möglichen Stromüberschlag nach aussen (Vergrösserung der Funkenstrecke...)

Tja, mehr fällt mir jetzt dazu auch nicht ein :idea:

Grüsse Tomtom
Hast Du einmal etwas Gutes gefunden, mußt Du es pflegen!

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Re: Zündspulen prüfen - erst einmal für 12 V

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Sonntag 4. Januar 2009, 20:04

Der Anschluss ( 4 ) hat doch noch eine Schutzfunkenstrecke zum Anschluss ( 1 ). Da schlägt letztendlich der Funke über, wenn kein Kabel an ( 4 ) steckt. Zu hören am Knackgeräusch, wenn keine Kerze angeschlossen ist.
Noch nie habe ich eine Zündspule " zersägt " !
Aber danke an TomTom, der das Innere zeigt.
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig

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Zündspulen prüfen

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Montag 12. Januar 2009, 17:27

Im Versuchsaufbau 2 Foto's gemacht.

Kerze_Luftstrecke.jpg

Und was kann man noch nehmen ? Genau - eine Leuchstoffröhre 8W statt der Zündkerze.

LS_8_W_Röhre_Zündspule.jpg

Musste nur eine gewisse Entfernung einhalten, da die Funken die Kamera beeinflussten.
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig

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Re: Was macht Ihr gerade so?

Ungelesener Beitragvon Franz » Montag 12. Januar 2009, 19:23

hallo wabufan

Ich habe mal irgendwo {kratz} gelesen das man eine Leutstoffröhre als Stroboskoplampe verwenden kann. Ich
hab das auch am Moped probiert aber es hat nicht funktioniert.

Geht das den Überhaupt [smilie=hi ya!.gif] :grübel:


mfg.
Franz
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Re: Was macht Ihr gerade so?

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Montag 12. Januar 2009, 21:02

Im Prinzip ja, wenn das Leuchtrohr nicht zu lang ist. Mit einer 4 W - oder 8 W - Leuchtstoffröhre könnte es klappen. Für diesen " kalten Kathodenbetrieb " sind sie aber nicht ausgelegt. Normalerweise werden die Enden geheizt, bevor der Betriebsstrom fliesst. Ausserdem werden sie mit Gleichstrom betrieben, geht das auf die Lebensdauer.
Bei meinen jetzigen Versuchen ist an der EBZA2s beim Zündfunken an der Zündspule ( primärseitig 1 - 15 ) eine Spannung von ca. 180 V zu messen. Fehlt die Zündkerze, sind es über 350 V, was eine 400 V - Diode zerlegte !
Ausserdem musste ich meine 30 Jahre alte " Mellenbachuhr " ( Vielfachmesser III ) nehmen, da das digitale Multimeter nur Mist anzeigten.
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig

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Re: Was macht Ihr gerade so?

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Freitag 16. Januar 2009, 10:51

Messen von Spannungen an der Zündspule Anschluss ( 1 ) und ( 15 ).
Eine EBZA2s steuert in Normalschaltung die Zündspule an. Ein Rechteckgenerator 10 ... 100 Hz ( 600 ... 6.000 U/min ) liefert die Steuerspannung und Frequenz für den Leistungsteil Anschluss 7a, 7b oder 7c. Die Rechteckspannung hat ein Impuls / Pausenverhältniss von 50% und das entspricht einem Schliesswinkel von 180° KW.
Mit einer Diode SY 320/5 und einem Kondensator MKT 1,5 µF / 630 V= wird die Spannung für das Messgerät beruhigt.
Der Messaufbau :

ZündspulePrimärMessen.jpg

Das Instrument zeigt im 1.000 V - Messbereich eine Spannung von 160 V Rückschlagspannung an der Zündspule bei 10 V Betriebsspannung an.

PrimärMitKerze.jpg

Hier mit einem defekten Kerzenstecker, der Widerstand von > 4.000 Ohm konnte ich im Kerzenstecker nicht messen. Aber ein Funke sprang an der Kerze über ! Die Primärspannung an der Zündspule liegt bei 205 V bei 14,0 Volt Batteriespannung.

PrimärOhneKerze.jpg

Hier ohne Kerze.
Die Spannung liegt bei 360 V !
In einem weitern Versuch habe ich den " Unterbrecherkondensator " in der EBZA2s auf 6,8 nF / 630 V = verringert und mit Kerze entstanden dann 240 V ( Normalwert bei 180 V ) an der Primärseite der Zündspule ! Das entspricht einer Resonanz zwischen Induktivität ( 4,37 mH ) und dem Kondensator. Ohne Kerze habe ich nicht gemessen - da hätte es den SU 177 im Leistungteil zerschossen ! Man hätte aber ein Steigerung der Zündleistung von ca. 33 % - aber wehe die Kerze fehlt !
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig

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Torchlight

Re: Zündspulen prüfen - erst einmal für 12 V

Ungelesener Beitragvon Torchlight » Donnerstag 13. Oktober 2011, 06:28

Hallo,

falls das hier noch jemand lesen sollte, mich würde interessieren wie man die Induktivität einer Zündspule messen kann?

LG

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Re: Zündspulen prüfen - erst einmal für 12 V

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Donnerstag 13. Oktober 2011, 12:00

Die wird mit einem RLC - Messgerät ( Widerstand - Spule - Kondensator ) von RFT RLC - Universal - Messbrücke 221-3 vom VEB Funkwerk Dresden bei mir gemessen.
Spule und Kondensator sind für den Anstieg der Zündspannung ( Delta-U ) und damit für den Durchschlag der Luftstrecke zuständig.
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig

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Re: Zündspulen prüfen - erst einmal für 12 V

Ungelesener Beitragvon BB » Donnerstag 17. November 2011, 19:54

Hallo Wabufan,

darf ich die Überschrift des Themas aufnehmen und fragen ob es mittlerweile so eine Versuchanordnung auch für 6 V gibt? {anbeten}

Viele Grüße
Sebastian

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Re: Zündspulen prüfen - erst einmal für 12 V

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Freitag 18. November 2011, 06:48

Deine Frage ist berechtigt.

Prinzipell sind beide Vorgänge identisch.
Man misst die Spannung an der Zündspule primärseitig und entsprechend der Übersetzung wird eine höhere Spannung auf der Sekundärseite gemessen.
In die Formeln setzt man nur andere Zahlen ein.
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig

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