Blinkgeber mechanisch - kein Wunderwerk

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Blinkgeber mechanisch - kein Wunderwerk

Neuer Beitragvon WABUFAN » So 7 Feb 2010 22:51:13

Mechanischen Blinkgeber
Reparieren und Einstellen

Zu erst die Herstellerdaten :

- Blinkfrequenz 90 ± 30 Impulse / Minute
- Erste Hellzeit der Blinklampen ca. 0,5 Sekunden nach Betätigung des Schalters für das Richtungsblinken
- Blinkfrequenz 180 ± 60 Impulse / Minute bei Ausfall einer Blinklampe
- Spannung je nach Bordnetz ( 6 V / 12 V / 24 V )
- Blinklampenleistung in Watt
- Anzahl der Blinklampen Fahrzeugseite / Hänger
- Anschlaüsse 49 - 49 a - C 1 / C 2

Dabei ist der Anschluss 49 die Spannung vom Zündschloss Anschluss 15 / 54, 49 a der Anschluss zum Lenksäulenschalter, C 1 der Kontrollanschluss des Fahrzeuges und C 2 der Kontrollanschluss Hänger.
Bei eingebauter Warnblinkanlage werden die Anschlüsse mit dem Warnblinkschalter umgeschaltet.

Man findet folgende Bezeichnung : 12 V - 2 x 21 W / 1 x 21 W
Dabei bedeutet :
- 12 V die Spannung des Bordnetzes
- 2 x 15 W ( 18 W oder 21 W ) Leistung der Blinklampen am Fahrzeug
- 1 x 15 W ( 18 W oder 21 W ) Leistung der Blinklampe am Hänger.

Für Motorräder und Mopeds mit Lenkerblinkleuchten gibt es die Ausführungen für 6 V ( 12 V ) mit 1 x 15 W ( 18 W oder 21 W ).

Ich weis - ein technisch komplizierter Fall.

Wenn man sich einen geöffneten Blinkgeber ansieht, dann findet man :
- eine Spule auf einem Eisenkern
- einen Anker, der vom Hitzdraht von der Spule werggezogen wird
- gegenüber den Kontrollanker, der die grüne(n) Kontrolleuchte(n) mit Strom versorgt.

Als erstes einmal die Funktionsweise eines solchen Blinkgebers.

ZERLEGEN - AUSEINANDERBAUEN
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GEBER.JPG

Leider ist das Gehäuse verschlossen. Zum Öffnen braucht man einen kleinen Schraubenzieher, um die Bördelung vorsichtig aufzubiegen.
Das kann man nicht beliebig oft tun - dann bricht das Aluminium.

HITZDRAHT_1.JPG

Hier auf dem Bild sieht man in der Mitte die Spule. Links daneben ist der Kontrollanker und rechts der Anker mit dem Hitzdraht.
Deutlich auch der Vorwiderstand für den Hitzdraht zu sehen.

HITZDRAHT_2.JPG

Hier ein Blick auf den Anker mit dem Hitzdraht.
Auf der gegenüber liegenden Seite der Kontrollanker - hier die Ausführung mit dem C 2 - Kontakt.
Ich hatte so einen Blinkgeber für Hängerbetrieb geöffnet.

Kontrollkontakt_2.JPG


FUNKTION
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Hierbei handelt es sich um einen Hitzdrahtblinkgeber.
Nach dem Schalten der Spannung, erhitzt sich der Hitzdraht und wird länger.
Dabei entsteht ein Stromfluss vom Zündschloss zum Anschluss 49, durch den Hitzdraht und Vorwiderstand, der Stromspule, zum Anschluss 49 a, über den Lenksäulenschalter und nach Masse über die Blinklampen. Dieser geringe Stromfluss durch die Blinklampen erwärmt die Glühfäden leicht und verringert damit den Einschaltstromstoss. Bei dem gezeigten Geber habe ich 15 Ohm Heizdraht und Vorwidersstand gemessen, was bei 12 V einem Strom von 0,8 A entspricht.
Nach einer kurzen Zeit erreicht der Hitzdrahtanker den Kontakt. Damit beginnt der volle Strom durch die Blinklampen zu fliessen und diese leuchten auf.
Dieser Stromfluss erfolgt auch durch die Spule die ein Magnetfeld aufbaut. Dieser Magnetismus hält den Anker fest.
Da der Kontakt des Hitzdrahtankers geschlossen ist, fliesst kein Strom durch den Hitzdraht mehr und er kühlt ab.
Damit wird er kürzer und irgend wann ist die Zugraft des Drahtes so gross, das er den Anker von dem Spulenkern abreisst.
Die Blinklampen verlöschen und der Hitzdraht wird wieder länger, da Strom durch ihn fliesst.
Dabei bestimmt die Ausdehnungszeit des Hitzdrahte die Dunkelzeit ( DZ ), der Magnetismus und Stromfluss durch die Spule die Hellzeit ( HZ ) der Blinklampen.
Wird der Magnetismus geringer durch Ausfall einer Blinklampe, verkürzt sich die Hellzeit. Der Geber läuft dann mit einer wesentlich höheren Fequenz, was so gewollt ist.
Wenn die Spule magnetisiert ist, zieht gleichfalls der Kontollanker an und schliesst den Anschluss C 1 an die Spannung Anschluss 49. Damit erhält die grüne Kontolllampe Spannung und leuchtet auf.
Wenn aber nun nur eine Blinklampe leuchtet, dann reicht das Magnetfeld zum Anzug des Kontollankers nicht aus und die Kontrollampe bleibt dunkel.
Der Fahrer weis dann, das eine Blinklampe defekt ist. Die anderen Verkehrsteilnehmer auch ...

EINSTELLUNG DER BLINKFREQUENZ
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Um den Blinkgeber zu testen und einzustellen, braucht man eine geladene Batterie und die Lampen mit der erforderlichen Leistung.

VORSICHT : Es muss immer sichergestellt sein, das der Hitzdrahtanker den Kontakt erreicht. Erfolgt das nicht, wird der Hitzdraht zu stark erwärmt und gereckt.
Meistens ist dann der Blinkgeber Schrott !


HITZDRAHT_4.JPG

Zu erst kontrolliert man den mechanischen Zustand und das keine Kontakte verschmort sind. Wenn das der Fall ist, werden die Kontakte mit einer Kontaktfeile ( ! ) geglättet.
Am Hitzdrahtanker muss man beachten, das der Hitzdraht nicht beschädigt wird.
Anschliessend beginnt man mit der Justierung.
Als erstes drückt man den Hitzdrahtanker vorsichtig in Richtung Spulenkern. Den Gegenkontakt muss man nun so biegen, das zwischen Anker und Spulenkern ein Luftspalt von ca. 0,1 mm bleibt.
Anschliessend wird die Batterie und die Lampen angeschlossen.
Das Verhälniss Dunkelzeit zu Hellzeit stellt man am Halter des Hitzdrahtes ein. In einer Minute sollten die Lampen 60 ... 120 aufleuchten ...
Anschliessend stellt man die erste Schliesszeit ein.
Dazu wird die Spannung angelegt und nach 0,5 Sekunden sollten die Lampen das erste mal leuchten.
Den Öffnungsbegrenzer, im Bild oben mit maximale Öffnung bezeichnet, wird dazu entsprechend justiert. Die erste Hellphase der Lampen dauert länger, wenn ich den Begrenzer vom Spulenkern entferne.

EINSTELLUNG DES KONTROLLANKERS
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Kontrollkontakt_2.JPG

Hier sieht man den Kontrollanker.
Der ist so zu justieren, das der Anker parallel auf dem Kern liegt und einen Luftspalt hat. Dabei wird der Kontaktniet auf den Gegenkontakt gedrückt.
Mit zwei Lampen als Last muss er das erreichen. Damit leuchtet die Kontrollampe im gleichen Takt wie die Blinklampen.

Kontrollkontakt_3.JPG

Nun entfernt man eine Blinklampe. Der Geber arbeitet darauf hin schneller.
Der Öffnungsbegrenzer wird so justiert, das der Stromfluss und das Magnetfeld nicht reichen, den Kontrollanker anzuziehen. Damit bleibt die Kontrollampe dunkel.

Kontrollkontakt_1.JPG

Hier die Bezeichnung des Kontollankers mit 2 Kontakten eines Blinkgebers 2 x 21 W / 1 x 21 W.
Da ist der Kontrollanker wesentlich schwieriger zu justieren - das lasse ich einmal weg.

Blinkgeber_Schaltung.JPG

Hier die Innenschaltung eines mechanischen Blinkgebers. Hat der nur 3 Anschlüsse, dann entfällt der Kontrollkontakt C 2.
Zur korrekten Funktion des Blinkgebers ist keine Masse erforderlich.
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Re: Blinkgeber mechanisch - kein Wunderwerk

Neuer Beitragvon Dirk » Mo 8 Feb 2010 0:12:39

Sehr schöne Beschreibung - Respekt! Das dürfte einigen mechanischen Blinkgebern das Weiterleben sichern. Die ganz frühen im schwarzen Bakelitgehäuse waren sogar von außen einstellbar.

Wenn die Blinkintervalle nicht mehr stimmen, bitte nicht gleich am Blinkgeber herumjustieren. Oft sind vergammelte Leitungen, Flachsteckhülsen, Klemm- und Kontaktstellen an einer "Unterlast" schuld, die den Gebern "jagen" lässt. Man staunt, wie hell die Blinker plötzlich wieder sind, wenn alles sauber ist. Dazu gehören auch die Masseverbindungen der Blinker...

Ein Nachteil gegenüber den elektronischen Gebern ist, dass erst mal der Hitzdraht erwärmt werden muss, bevor die Blinker erstmals aufleuchten. Die elektronischen Geber beginnen sofort mit einer Hellphase, die sogar etwas länger ist als die nachfolgenden Intervalle. Damit ist das Antippen des Blinkers (wie im 1,3er Wartburg realisiert) erst sinnvoll möglich geworden.

Beste Grüße,
Dirk
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Re: Blinkgeber mechanisch - kein Wunderwerk

Neuer Beitragvon WABUFAN » Mo 8 Feb 2010 8:15:32

Dirk hat geschrieben: ... Ein Nachteil gegenüber den elektronischen Gebern ist, dass erst mal der Hitzdraht erwärmt werden muss, bevor die Blinker erstmals aufleuchten. Die elektronischen Geber beginnen sofort mit einer Hellphase, die sogar etwas länger ist als die nachfolgenden Intervalle. Damit ist das Antippen des Blinkers ( wie im 1,3er Wartburg realisiert ) erst sinnvoll möglich geworden. ...

Das ist so richtig - aber ...
Bei 12 V und 21 W - Lampen ist der Strom pro Lampe 1,75 A. Damit hat die Lampe einen Widerstand von 6,8 Ohm.
Aber der Kaltwiderstand ist 0,4 Ohm. bei 12 V fliesst dann pro Lampe ein Einschaltstrom von 30 A. Bei 2 Lampen sind das dann 60 A ! Mit den Kabel -. und Kontaktwiderständen etwas weniger.
Ist dann noch ein Hänger dran und es wird die Warnblinkanlage benutzt, sind das 6 x Einschalttstrom der Glühlampen ...
Öffnet man so einen elektronischen Blinkgeber, ist das an den Kontakten zu erkennen.

Hier noch zwei ältere Verweise zum Thema Blinkgeber :

Blinkanlage und der T(r)ick mit der Elektrik
viewtopic.php?f=9&t=981

Blinkgeber
viewtopic.php?f=9&t=6756
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Re: Blinkgeber mechanisch - kein Wunderwerk

Neuer Beitragvon BB » Sa 27 Mär 2010 16:15:33

Hallo,

gibt es eigentlich eine nachvollziehbare Begründung warum der Blinkgeber stehend bzw. aufrecht eingebaut werden soll, mit den Anschlüssen nach unten?

Viele Grüße Basti
BB
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Re: Blinkgeber mechanisch - kein Wunderwerk

Neuer Beitragvon ossiholgi » So 28 Mär 2010 11:31:03

BB hat geschrieben:Hallo,

gibt es eigentlich eine nachvollziehbare Begründung warum der Blinkgeber stehend bzw. aufrecht eingebaut werden soll, mit den Anschlüssen nach unten?

Viele Grüße Basti


Moin,
gibt es: Falls aus welchen Gründen auch immer Feuchtigkeit eindringt oder sich bildet (Kondenswasser), kann es nach unten abfließen, bzw. wenn irgendwie Wasser eindringt (Scheibe undicht,...) läuft kein Wasser in das Gehäuse hinein.

MfG

Holger aus Elmshorn
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