Tachowellen aus Leipzig

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Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Martin Rapp » So 28 Jun 2009 20:55:47

Vor geraumer Zeit ist mir eine Tachowellenpackung in die Hände gefallen.
Auf der Verpackung war zu lesen:
"VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig".

Ich fand die Packung sehr schön und erhaltenswert und hob sie auf.
Da mir zu meinem Camping aber immer noch eine Tachowelle
in grau mit der Originallänge von 940mm fehlte (derzeit ist eine 353er drin),
habe ich vor kurzen wieder eine Welle in solch einer Packung
vom scheinbar gleichen Tachometerwellenwerk in Leipzig erstanden.

Nach genauerer Betrachtung der Verpackung
ist mir aber ein entscheidender Unterschied aufgefallen:
tachowelle02.jpg
tachowelle03.jpg

Die Otto Baumberger & Co Fabrik schien zu DDR-Zeiten,
wie viele andere Privatfirmen den Schritt in die VEB gegangen zu sein.
Dass zumindest erklärt für mich die Änderung der Firmenbetitelung auf der Verpackung.

Interessant wäre jetzt noch raus zu finden wann dies passiert ist.
Die Verpackung ist nämlich nicht das einzige Unterscheidungsmerkmal.
Die scheinbar ältere Verpackung (erstes Bild) verrät noch oben rechts im Kreis
die Initialen OB & CO (Otto Baumberger und Co)
diese Bezeichnung fand ich wirklich auf der Tachowelle auf der Plastik-Überwurfmutter:
tachowelle01.jpg


Weiß jemand mehr über den Betrieb, hat Informationen oder nähere Details?
Zumindest ein kleines Unterscheidungsmerkmal
und eine Zuordnung zum VEB oder OB & CO ist ja möglich.

Also falls jemand etwas weiß, ich bin neugierig :smile:

Gruß Maddin
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon majo » So 28 Jun 2009 21:24:42

Hab da was gefunden, viell. hilfts weiter:
http://www.das-baudenkmal.de/files/esta ... _small.pdf
Im rechten Teil " Hintergrund " steht was über die Fabrik. Steht aber nicht da, wann diese zum VEB wurde. :roll:

... aber hier steht´s: http://www.jazzbass.info/ww/page/geschichte.html
:smile:
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Martin Rapp » So 28 Jun 2009 21:45:34

Super Majo, vielen Dank also wurde die Firma 1972 verstaatlicht - sehr interessant.
Auch dass die Jungs der einzige Tachometerwellenhersteller in der DDR waren,
wusste ich bisher nicht.

Gruß Maddin
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon WABUFAN » Mo 29 Jun 2009 8:02:45

Da ich in Leipzig wohne, wusste ich das nicht.
Aus dem Bauch hätte ich auch so auf 1972 getippt.
Zum Beispiel weiss ich, das die Firma Georg Neumann & Co. Elektrotechnisches Laboratorium in Gefell ab 1972 in VEB Mikrofontechnik Gefell umbenannt wurde. Georg Neumann hatte darauf hin die DDR nach Westberlin verlassen ...
Hier zum weiterlesen : viewtopic.php?f=4&t=3322
1972 schien ein Jahr der massiven " Entprivatisierung " gewesen zu sein ....
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Mo 29 Jun 2009 21:20:10

WABUFAN hat geschrieben:1972 schien ein Jahr der massiven " Entprivatisierung " gewesen zu sein ....


1972 wurden, soweit ich weiß, die letzten Privatbetriebe zwangsverstaatlicht. So die "Joachim Kern KG" (Elektromagnete für den gesamten RGW-Raum) hier in Schleusingen und die "Karl Schmid KG" (Wasserpumpen 311, 353, 4VD, 6VD...) in Merbelsrod. Erstaunlicherweise findet man auf Teilemärkten noch häufig Teile (und eben auch 311er Wasserpumpen vom "Pumpen-Schmidt") die vor 1972 produziert wurden. Wie die Tachowellen....
Qualität hält länger als die Erinnerung an ihren Preis...
Gruß,
Andreas
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Thilo Ka » Di 30 Jun 2009 19:00:26

Interessant!

Könnte noch die Firma "Fröhlich & Wolter KG" zusteuern. Ab April 1972 Umbenennung (und Verstaatlichung)in VEB Metallwarenfabrik Beierfeld. Beierfeld in Sachsen. Herstellung von Gebrauchsgegenständen für den Alltag. Hauptsächlich Laternen.
Ab April 1967 Einstieg in die Automobilindustrie (Zulieferteile).z.B. Auspuffanlagen für Trabant, Ansauggeräuschdämpfer
Wartburg/Trabant/Barkas. Juni 1990: Umbenennung in Metallwarenfabrik Beierfeld GmbH.Ab Juli 1990 Eröffnung der Liquidation bis 1994.

Tip: Auf den Abzweigtopf (BVF F36) obendrauf schauen: "FROWO"
Gruß Thilo
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Thilo Ka » Di 30 Jun 2009 20:06:43

Nee Quatsch,auf´m Abzweigtopf + Luftfiltertopf vom 40er BVF auch zu sehen. :-|
Siehe hier:
frowo 002.JPG
Prägung an Unterseite Abzweigtopf.
40er BVF
frowo 003.JPG
Prägung an Unterseite Luftfiltertopf
40er BVF


Der Abzweigtopf des Registervergasers also ab `82, besaß dann nur noch neben dem IFA-Logo
die kurze Prägung "MWB" > VEB Metallwarenfabrik Beierfeld.
Der Luftfiltertopf besitzt übrigens keine solche Prägung.
frowo 004.JPG
Prägung "MWB" Abzweigtopf Jikov,
Unterseite
frowo 004.JPG (16.1 KiB) 618-mal betrachtet


Gruß Thilo
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Tomtom » Di 30 Jun 2009 20:33:33

...bitte mehr davon, das Thema ist sehr interessant :smile:

-OT- Mein Opa wurde 1972 auch in einer Nacht-und-Nebel-Aktion enteignet. Aus der "Wäscherei Sandner" wurde VEB Textilpflegekombinat Plauen (oder ähnlich...) -OT aus-
Grüsse Tomtom
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Thilo Ka » Di 30 Jun 2009 21:38:13

Hab noch ein bischen rumgekramt und die Zeitschrift "Kraftfahrzeugtechnik" aus dem Dezember 1955 gefunden.
Man sieht: Viele Betriebe boten ihre Dienstleistungen an. Vielleicht gingen ja aus den dargestellten Privatbetrieben
spätere VEB hervor?? {kratz}
IMG_0003_NEW.jpg
IMG_NEW1.jpg
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon keinschnee » Sa 10 Okt 2009 13:27:45

Hallo,

um noch mal auf das Ursprungsposting zurückzukommen zum "VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig"
da sieht dann die Kennzeichnung ja sicher so aus:
twm.jpg


Die Tachowelle (Bild oben) die ich hier habe war bei einem Mopedteile Konvolut dabei, und hat eine Länge von knapp 900 mm, ist 17 mm dick, und der Vierkant ist 2,5 mm dick. ist das eine Trabant oder Wartburgwelle ? Oder für was anderes ?

Im übrigen habe ich noch hier zwei interessante Links zu dem Thema
"VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig"

http://www.jazzbass.info/ww/page/geschichte.html
http://www.das-baudenkmal.de/files/estatedocuments/Wellenwerk/Presse/lvz_2007_small.pdf

Gruss keinschnee
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Dirk » Sa 10 Okt 2009 14:24:38

Nach 1945 wurden zunächst nur richtige Großbetriebe in Volkseigentum umgewandelt. Firmen bis ca. 100 Mitarbeitern, die keine Zwangsarbeiter beschäftigten und sich aus der Rüstungsproduktion weitgehend heraushalten konnten, blieben unangetastet. Hier machte die Sowjetunion als Besatzungsmacht einen erheblichen Unterschied zu den Verhältnissen in ihrem eigenen Lande, wo ja alles verstaatlicht war. Über die Gründe dafür kann ich zunächst nur mutmaßen.

Zwischen 1958 und 1960 wurden viele Privatbetriebe zunächst in Kommanditgesellschaften umgewandelt. Soll heissen, Anteile der Firma wurden zwangsverkauft, so dass eine staatliche Beteiligung gesichert war. Die restlichen Anteile gehörten dem alten Eigentümer, aber die staatliche Leitung hat das Sagen. Schon dabei gab es viele "Späne", da sich natürlich niemand gern in seinen Betrieb hineinreden ließ. In manchen Fällen waren die neuen Betriebsleiter fähig und diplomatisch genug, sich den alten Chef als praktisch gleichberechtigten Berater ins Boot zu holen, oft genug war es aber auch offene Konfrontation - was dem Betrieb gar nicht zuträglich war.

Frustrierte Firmeneigner haben vor Einführung der staatlichen Zwangsbeteiligung ihren Laden einfach dichtgemacht und die Maschinen / Anlagen verkauft. Dann gab es eben plötzlich ein paar Jahre lang keine Gewindeschneider aus Inlandsproduktion, da der Hersteller aufgehört hatte zu existieren (nicht belegtes Beispiel). Dass so etwas der gesamten Wirtschaft schwer geschadet hat, kann sich jeder leicht vorstellen. Um das halbwegs unbeschadet zu überstehen, sollte aber der Eigentümer möglichst das Rentenalter erreicht haben und kein geeigneter Nachfolger in Sicht gewesen sein.

Die eigentliche Umwandlung in VEB geschah in einer großen Welle 1972, als die Alteigentümer "ausbezahlt" wurden. Oft genug entsprach die Summe wohl nicht dem tatsächlichen (oder gefühlten) Wert des Betriebes, so dass es viel schlechte Stimmung im Land gab. Aber über solche "Kleinigkeiten" ging man gern hinweg.

Recht detaillierte Hintergründe dieser Aktionen in meiner zeitweiligen Heimatstadt Radeberg kann man hier nachlesen.

Beste Grüße,
Dirk
Zuletzt geändert von Dirk am Mi 14 Okt 2009 21:01:12, insgesamt 1-mal geändert.
Kaum macht man's richtig, schon gehts...
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Warbi » Mi 14 Okt 2009 16:12:49

Mensch dieses thema ist ja hochinteressant :smile:
Und alles Nur wegen einen 353 tachowelle im Martin's Camping...
erstaunlich wie zufällig solche geschichten erzählt wird..

Mfg Stefan
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon carsten » Sa 6 Feb 2010 21:16:28

Martin Rapp hat geschrieben:"VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig".


Ich war heute auf der Oldtimermesse in Bremen und da ist mir der Prospekt (aktueller Prospekt) der Fa. TAFLEXA-Biegsame Wellen GmbH in die Hände gefallen.

Zitat:

"Die Taflexa-Biegsame Wellen GmbH repräsentiert ein Unternehmen, welches sich aus dem im Jahre 1935 gegründeten Maschinenbaubetrieb Otto Baumberger & Co entwickelte."

www.TAFLEXA.de
Viele Grüße

Carsten
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Re: Tachowellen aus Leipzig

Neuer Beitragvon Martin Rapp » Mi 10 Feb 2010 23:04:52

Danke für den Hinweis Carsten.
Also gibt es die Firma noch oder zumindest eine Folgefirma.

Gruß Maddin
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Martin Rapp
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