Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Bitte ausführliche Darstellung in Wort und Bild, Besonderheiten, Ausstattung, Zubehör, Geschichte etc...

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Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Mi 19 Aug 2009 22:35:03

Hallo zusammen - nun ist es soweit:
Ich möchte euch mein Lagfristprojekt vorstellen, das nun schon seit mehreren Jahren im Bau ist. Dazu vielleicht einige Anekdoten und Besonderheiten, die einem an einem SO frühen 311er begegnen und auch das eine oder andere graue Haar verursachen.

Aber erstmal zur Vorgeschichte:

Alles begann im Jahr 2000 an der Uni...vor mir saß jemand in der Vorlesung und blätterte in einem Fotoalbum mit vielen schönen Bildern vom 311er Wartburg...nanu...so einen Camping habe ich doch erst neulich auf dem Schrott gesehen und fand es jammerschade...und schon war ich infiziert. Aus, vorbei, so ein Auto wollte ich haben!
Es begann eine kurze Suche mit mehr oder eher weniger Ahnung, der Einsicht daß das Budget nur für eine Limousine reicht und dem Fund eines scheinbar recht gut erhaltenen 311er, Bj58. :smile: Dachte ich jedenfalls. -oh oh-
Das Auto war leider so schlecht, daß ich als blutiger Anfänger nach der Demontage völlig überfordert war und kurze Zeit später (das war auch noch 2000) erstmal den blauen 1000er gekauft und teilrestauriert habe. Zwischendurch noch einen zweiten 1000er (deluxe mit 8 Vorbesitzern) als Teilespender, um den ersten 1000er wieder halbwegs original zu bekommen. Ein Glücksfall.
Inzwischen hatte ich auch den 56er komplett zerlegt und begann so ganz langsam zu begreifen, daß bei diesem Baujahr einfach alles anders ist als beim 64er und mir noch viele Originalteile fehlen. :eek: Und ein Karosserieklempner, soviel war sicher. -roll-
Aber ich war motiviert. Das Auto hat den originalen Rahmen, die originale Innenausstattung und ist Baujahr 56. Meine Nachforschungen bei der Erstbesitzerin hatten ergeben, daß das Auto im Herbst 1956 gekauft und in seinen ersten Lebensjahren als Taxi in Marienberg im Erzgebirge gefahren wurde. Spezielle Umbauten dazu gab es nicht - einfach eine ganz schwarze Limousine. Naja, dann wurde Maschinenbau studiert, gespart und mit der blauen 1000er Faltdachlimo gefahren.

Irgendwann fielen mir dann erste Fotos von 311er Taxis in die Hände - in den 50er Jahren waren Taxen grundsätzlich schwarz lackiert und hatten eine umlaufende schwarz-weiße Banderole mit 60x60mm großen Quadraten. Meiner hatte das ursprünglich nicht - lag vielleicht daran, daß er in Privathand war. Kann mir da vielleicht jemand aus dem Forum helfen?
Aber vielleicht zuerst ein Bild vom Ziel der Operation:
W311_Taxi.jpg

So soll das ganze mal aussehen, wenn es fertig ist. Schwarz ist klar - und die Taxibanderole werde ich wahrscheinlich auch mitlackieren lassen. Mal sehen, das ist noch nicht raus.

Hier ein Bild von einem Taxistand in Greiz in den 50er Jahren. Edel, oder?
Hinter der Windschutzscheibe steckt im vorderen "Wagen" ein Schild mit der Aufschrift "Taxi frei"
Taxistand_Greiz.jpg

Das wars fürs erste, Bilder vom Objekt, großen Löchern und den bisherigen Arbeiten kommen später.
Zuletzt geändert von Dreielferschrauber am Di 2 Feb 2010 21:53:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Di 25 Aug 2009 20:18:39

OK, nun geht´s mit ersten Fotos vom Objekt und den ersten Arbeiten weiter...

Wie schon geschrieben traf die vermeintliche Luxuslimousine Bj58 im Jahr 2000 bei mir zu Hause ein. Ich hatte viel Elan und wenig Ahnung...nur das damals neue Buch "Wartburg 311" von Michael Stück...und gleich ging es ans Zerlegen.
311_56_Anlieferzustand.jpg

Erste Bestandsaufnahme:
negativ:
- Grill, Stoßstangen, Rückleuchten und Scheinwerfer waren nicht original :oops:
- nicht nur das - aber mehr wußte ich damals noch nicht
- und die Karosserie war dank 10 Jahren unter einer Plane eher ein schweizer Käse :eek:
311_56_Rost!.jpg

Eigentlich ist das für eine Limousine ein KO-Kriterium.
Aber es gab eben auch viele Lichtblicke
- unter den Schonbezügen fand sich die originale Innenausstattung in grau
- ein unverbohrtes 900er Armaturenbrett in Hammerschlag mit Schönburgröhrenradio, Kurzwellenvorsatz und Startknopfhalterung (die gab es wirklich nur 1956).
- erster Rahmen und erste Karosserie
- schmale Bremsanlage mit Zentralschmierung
- altes Frontmittelteil mit dem alten Haubenschloß und passender Motorhaube. Auch das gab es nur 1956.
- dank viel Altöl war die Technik unter dem Ölschlamm sehr gut erhalten - von üblichem Verschleiß mal abgesehen.
311_56_Motorraum.jpg

Nun wurde das Auto komplett zerlegt und der Rahmen gestrahlt und lackiert.
311_56_Rahmen.jpg

Gut zu erkennen sind die alten Halterungen der Schubstreben für die Hinterachse und die alte rechte Rahmenkonsole.
Und natürlich die Rahmennummer - der Wagen ist Standard, Bj 56, Rahmennummer F9P 110 10xxx 6
Damit läßt sich mangels Brief die Bauzeit auf Ende August/Anfang September 1956 eingrenzen. Dazu passen auch die eingeschlagenen Daten auf diversen Bauteilen. 8)
Die Arbeiten wurden fortgesetzt und das Fahrwerk war schon kurze Zeit später komplett montiert und in neuem Glanz.

Der folgende Abschnitt ist an sich offtopic, erklärt aber die lange Bauzeit - deshalb trotzdem die kurze Erklärung:

Es passierte etwas unvorhergesehenes: Ohne jede Vorwarnung tauchte die schon erwähnte Faltdachlimousine in meiner Garage auf (wie die wohl dort reinkam??? -roll-) und verdrängte erstmal den 56er, weil der sich dank der löchrigen Karosserie zum Langfristprojekt mauserte. Über den nächsten Winter wurde sie dann...naja...ähem...heute würde ich sagen: instandgesetzt. Bei der ersten richtigen Ausfahrt im Frühling 2001 bekam die Limo dann gleich "Heimweh". Eben noch im Garten und jetzt schon mitten im Weltrekordversuch auf dem Kindel. Und dort gab es eine Menge Gleichgesinnter...ich war mal wieder begeistert! :lol:
Der lädierte Anhänger HP500 (als Nebendarsteller oben auf dem Bild) wurde 2001/2002 restauriert und hatte 2002 auf dem Wartburgtreffen in Eisenach Premiere. Dieses Jahr (er wurde 30, wie ich übrigens) durfte er wieder mitfahren:
Heimweh 2009 mit HP500 BJ79.jpg


Um den 56er wurde es ersteinmal ruhig. Es wurde studiert und sich der Regierung gefügt. An Klempnerarbeiten am 56er war dabei aus Zeit- und Geldmangel nicht zu denken. Irgendein Hinterhofbruzzler wollte mir mal die Karosserie von seinen "polnischen Freunden" {bedrückt} für 500EUS schweißen lassen. Ich hab´s nicht gemacht - wahrscheinlich wären die Spachtelschichten heute schon wieder runtergebröckelt!
Dann lieber den blauen fahren und warten...ich fuhr also Faltdachlimo und wartete :smile:
Zuletzt geändert von Dreielferschrauber am Di 2 Feb 2010 21:37:46, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon mimi311 » Di 25 Aug 2009 20:51:02

Ein schöner detaillierter Bericht! Ja, Du hast noch eine Menge Arbeit vor Dir. Schön wenn Du ein Taxi wiederauferstehen läßt. Schieb es aber nicht zu lange hin, ansonsten wird es wohl nie was.

Grüße Andreas
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Tomtom » Di 25 Aug 2009 21:15:44

Da habe ich keine Angst @mimi, der 311er Schrauber ist da fleissig bei (Andreas und Andreas konnt ich jetzt ja nicht sagen..)
Sehr schöner Bericht, weiter so. Ich freu mich auf weitere Details, Entdeckungen und Fortschritte :D
Grüsse Tomtom
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Martin Rapp » Di 25 Aug 2009 21:39:04

Super Bericht, da bin ich auch sehr gespannt auf die Fortsetzung. :smile:

Weiter so !!!
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon WartburgPeter » Di 25 Aug 2009 23:37:51

Schöne Sache, das bringt einen richtig auf den Geschmack! :smile:
Beste Grüße
Peter
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Fr 28 Aug 2009 21:08:58

Oakeydokey, danke für das Feedback! Dann will ich mich mal nicht lange bitten lassen.

Natürlich bestanden die Jahre seit 2001 nicht nur aus warten - nein. Es wurde Zeit, auf Teilesuche zu gehen und sich intensiver mit den Besonderheiten und Unterschieden der frühen Baujahre zu beschäftigen.
Nur soviel:
Ich lerne seit 9 Jahren und tue es immer noch. Die Unterschiede zwischen der blauen Faltdachlimousine Bj64 und der 56er Limousine sind am Besten so zu beschreiben: Alles außer den Scheiben, den inneren Türgriffen, und einigen Schrauben. Es ist unglaublich, welche Entwicklung der 311er während seiner Bauzeit bei auf den ersten Blick gleicher äußerer Form erfahren hat!
So gesehen ist es gut, daß das Auto so lange stand. Ich hätte sonst noch mehr Fehler gemacht -oh oh- (dazu später mehr) und noch mehr doppelte Arbeit.
Doppelte Arbeit deshalb weil mehrfach zuerst die vorhandenen Teile aufgearbeitet wurden....und kurze Zeit später plötzlich die "alte Ausführung" auftauchte. Ich arbeitete ein 1000er Lenkgetriebe auf, reinigte und lackierte einen verschlissenen 8-Bolzenmotor mitsamt Versager und Benzinpumpe, ließ ein zu modernes Getriebe überholen und entrostete viele Blechteile, die später doch herausgeschnitten wurden. Naja, hinterher ist man immer schlauer.

Erfreulich: Die Teilesuche war erfolgreich! Stück für Stück mit viel Geduld (habe mich lange Zeit geweigert, Wucherpreise zu zahlen) fanden sich:

200er Scheinwerfer, symmetrisch
Glasblinker (original, keine Nachfertigung)
zweiteilige Stoßstangen
Schiffchenrückleuchten (mit Chromring mit Sicke)
Türgriffe mit "Ring" - also angedeutetem Schloß
ein Vergaser H362-5 (allerdings ausgeleiert)
900er Lenkrad und Lenksäule
900er Lenkgetriebe und Spurstangen
Haifischgrill :lol: (dabei kommt man leider nicht an Wucher vorbei) :evil:
Zwölfbolzenmotor :lol: allerdings mit Standschaden (der erst nach 2 Tagen Zerlegen und Reinigung zu erkennen war) :evil: und 900er Luftfilter
Getriebebrücke alte Ausführung
Getriebe, mittelalte Ausführung (altes Gehäuse aber schon synchronisiert - und das ist gut so :smile: )
130W Lichtmaschine
4 neue Kot(Kurt :lol: )flügel
2 neue und 2 gut gebrauchte Türen
2 neue A-Säulen

Und dann die große Frage :
Was wird aus der Karosserie?
Ich mache es kurz. Nach vielem Hin und Her, für und wieder Originalität, Authentizität und Bezahlbarkeit ging die Karosserie auf die Reise nach Großhartmannsdorf! [Lenker]
311_56_Abreise.jpg


Dabei habe ich jedoch aus heutiger Sicht einen kleinen Fehler gemacht. Ich habe OdR statt der (untenrum total verrotteten) Originaltüren die 4 Ersatztüren mitgegeben. Ja, Olaf hat das alles super angepaßt, die Linienführung und die Spaltmaße sind exakt. Trotzdem ärgert mich das heute so´n bißchen. Naja wie gesagt, hinterher....
Bei den Kotflügeln kamen auch neuere Exemplare zum Einsatz - die originalen 56er waren ohnehin bei einer GR in den 70er Jahren ausgetauscht worden - also halb so wild. Müßte doch passen, dachten OdR und ich. -oh oh- Müßte.
Das Ergebnis der einjährigen OP seht Ihr nach der nächsten Maus!
zum Thema Blindleistung.jpg
Zuletzt geändert von Dreielferschrauber am Di 2 Feb 2010 21:43:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Tom » Mo 7 Sep 2009 0:10:32

Hi Andreas,

ich durfte ja bei meinem letzten Besuch bei Dir schon mal einen Blick auf das Schmuckstück werfen ... eine tolle Ausgangsbasis sowie eine Klasse-Idee, daraus nun ein Taxi zu machen!

Viele Grüße und weiter so!
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Di 2 Feb 2010 22:48:03

*Bilderwiederherstellung abgeschlossen*
OK, es geht ganz langsam aber stetig vorwärts. Ich bin nunmal nur am Wochenende zu Hause und habe eine neue Regierung...die der Schrauberei aber glücklicherweise garnichtmal abgeneigt ist. {top}

Folgendes hat sich in den letzten Wochen und Monaten getan:

- Vor einigen Wochen hatte ich den Lackierer des geringsten Mißtrauens zu Gast. Er befand die Karosserie für "machbar" - auch wenn im Bereich Kotflügel / Motorhaube noch einige Nacharbeiten notwendig sind.
311_56_Flaschenzug.jpg

Das hört sich recht gut an...und ich denke auch bezahlbar. Den Kostenvoranschlag bekomme ich noch.

- ich bekam den nach Originalvorlage nachgefertigten neuen Kabelbaum. Die Verarbeitung ist top - und eine Warnblinkanlage wurde gleich mit vorgesehen.
Kabelbaum.jpg


- die originale 130W-Lichtmaschine wurde zum Prüfen / Überholen verschickt
130W-Lima.jpg


- das 900er Getriebe wurde überholt.
siehe auch hier: Änderungsdokumentation Getriebe W311

- das 900er Lenkgetriebe wurde überholt und vormontiert. Dazu bekam ich nach einiger Suche eine neue Führungssschiene und neue alte Spurstangenköpfe
Dokumentiert sind die Arbeiten hier Lenkgetriebe W311 900 , wobei ich die Bilder nochmal einfügen muß.

- die vorderen Schwenklager traten ihren Weg in eine alteingesessene Werkstatt an und erhalten dort neue Laufbolzen und Aluminiumbuchsen.

- der 12-Bolzenmotor wurde komplett zerlegt und tritt in Kürze die Reise nach Stockhausen bzw. Magdeburg an
12-Bolzenmotor.jpg


Interessant am Motor ist vor allem die Kurbelwelle. Die Lager sind kleiner dimensioniert als beim ab 1957 verbauten 900er Motor mit 8 Stehbolzen.
Dank Kauli habe ich beide Ausführungen parat, hier ein Vergleichsfoto. Oben 12-Bolzen, unten 8-Bolzen Ausführung.
Kurbelwellenvergleich1.jpg

und hier nochmal das vordere Lager, welches die Axialkräfte (hauptsächlich beim Kuppeln) aufnimmt:
Kurbelwellenvergleich2.jpg


Den genauen Umfang der Arbeiten (Umbau auf Nadellager, Labyrinthdichtungen) werde ich noch mit Hr. Rudolph absprechen.

Als nächstes steht der Kauf eines Gummidichtsatzes und die probeweise Montage der Türdichtungen an. Das ist zwar doppelte Arbeit, erspart aber hoffentlich böse Überraschungen nach der Lackierung.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon atomaschi » Mi 3 Feb 2010 8:12:04

Hallo Andreas,

schade das ich deinen Beitrag erst jetzt lese (hab mich in letzter Zeit ein wenig rar gemacht hier), umso mehr bin ich begeistert über dein tun und hoffe euch beiden bald mal wieder einen Besuch abstatten zu können. Viele Stellen in deinem Bericht erinnern mich an meine eigene Restaurations-"Historie", obwohl die erst (oder viel besser schon) 2 Jahre dauert. Aber ein wenig (oder mehr) Lehrgeld muss wohl jeder bei so einer Sache zahlen und deine Hartnäckigkeit zeigt, dass es sich lohnt am Ball zu bleiben. Ich hoffe wir sehen uns dieses Jahr mal auf einem Treffen.

Bis dahin alles Gute,
Christian
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon stefanowitsch » Fr 5 Feb 2010 13:29:39

Ich finde dein Vorhaben sehr toll,
bin schon seit längeren auf das Taxi Thema gestoßen,
echt schön das sich da jemand ran traut {top}

Weiter so (und mehr Bilder und Berichte)

Grüße
Stefan
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Fr 5 Feb 2010 23:05:36

Leider erlebe ich beim Thema Taxi gerade einen weiteren Rückschlag. Mitte Dezember hatte ich über OMOMA und dank eines Tipps von Mimi311 eine originales Kienzle-Taxameter von 1956 gekauft. Siehe Hier

Angekommen ist das gute Stück trotz versichertem Versand bis heute nicht. Nach mehrfacher Nachfrage sagte mir der Verkäufer Mitte Januar, das Paket habe 4 Wochen auf der Post gestanden und würde nun verschickt. Seitdem ist nichts weiter passiert und ich erreiche den Verkäufer weder per Mail noch per Telefon. {aergerlich} Nichtmal meine mehrfache Frage nach der Trackingnummer zwecks eigener Nachforschung wurde beantwortet. :evil:
Schon komisch, zumal der Verkäufer eine schicke Homepage zum S4000 betreibt und sich Oldtimerfreunde eigentlich nicht betrügen. Dachte ich jedenfalls bisher {bedrückt}
Nun werde ich wohl ein letztes Ultimatum stellen und hoffentlich ohne Anwalt auskommen. Sowas muß doch nicht sein!

Einerseits ist es schade um das Geld....andererseits hätte ich für das Auto wirklich gerne das Taxameter gehabt. Nicht unbedingt zum Einbauen...war ja original bei meinem Wagen auch nicht drin...aber es gehört eben dazu.

Naja, es gibt zum Glück auch gute Nachrichten. Die neuen Buchsen sind in die Schwenklager eingepreßt und ich kann die "ZSB" bald abholen. Neue Radlager, gute Scharniergelenkwellen und neu belegte Bremsbacken liegen auch schon bereit :smile:
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Tom » Fr 5 Feb 2010 23:28:19

Hi Andreas,

das mit dem Taxameter ist ja echt ärgerlich ... bleib da bloß dran ... solche Leute müssen merken, daß sie es nicht mit jedem machen können.

Ansonsten: Weiter so! ... und immer schön Bilder einstellen!

Schönen Gruß
vom Tom
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Di 9 Feb 2010 23:17:09

Gute Nachricht: nach nur 7 Wochen ist das Taxameter gestern angekommen. {beifall} Ob die Verzögerung von der Post oder vom Verkäufer verursacht wurde? Ich weiß es nicht. Auf jedan Fall schön, daß das gute Stück nicht verlorenging und wohlbehalten hier ankam.
Ich möchte euch das Gerät hier etwas näher vorstellen und auch einige Fragen stellen, die vielleicht jemand aus dem ZWF beantworten kann {kratz}

Taxameter_1.jpg

Das Taxameter stammt aus den 50er Jahren und ist ein "Westfabrikat" von Fa. Kienzle in Villingen. Ob es damals schon Taxameter aus DDR-Produktion gab ist zumindest fraglich. Bis heute ist mir nichts dergleichen untergekommen.
Sicher ist, das das Teil in Zwickau eingesetzt und in einem Sachsenring P240 verbaut war. Der noch vorhandene Aufkleber verrät es:

Taxameter_4.jpg

Das Gerät arbeitet mechanisch und wird seitlich angetrieben, vermutlich über den Tachoantrieb. Der Anschluß ist doppelt und 1:1 übersetzt, sodaß die Vermutung naheliegt daß hier Ein- und Ausgang der Tachowelle mittels Adapter angeschlossen werden. Um Manipulationen auszuschließen, ist die Sicherungsschraube verplombt.

Taxameter_2.jpg

Oberhalb des Welleneinganges befindet sich der 3-polige elektrische Anschluß, der bei meinem Exemplar leider ziemlich rabiat abgeschnitten wurde. Zusätzlich ist auf der Rückseite noch eine 6-polige Anschlußbuchse vorhanden, deren Funktion ich nicht zuordnen kann. Wer kann hier helfen?

Taxameter_3.jpg

Interessehalber werde ich versuchen, das Gerät vorsichtig zu öffnen. Bin mal gespannt, welche Geheimnisse dann zu tage treten.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon mimi311 » Di 9 Feb 2010 23:37:24

Schön, daß es geklappt hat! War doch ziemlich lange.

Grüße Andreas
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Di 9 Feb 2010 23:38:47

mimi311 hat geschrieben:Schön, daß es geklappt hat! War doch ziemlich lange.
Grüße Andreas

Danke nochmal für den Tip und die Reservierung :smile:
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon drpaulaner » Di 9 Feb 2010 23:55:58

diese taxameter kenne ich aus meiner kindheit noch


das "KLACK" beim umschalten habe ich noch in den ohren...
"Optimismus ist, bei Gewitter auf dem höchsten Berg in einer Kupferrüstung zu stehen und »Scheiß Götter!« zu rufen."

http://wartburg.der-pauli.de/ Das ist Olga´s Seite
http://www.gs4.de
http://www.marcel-werner.net
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon rallye311 » Mi 10 Feb 2010 11:30:39

Hallo Andreas!

Ein schönes Gerät, herzlichen Glückwunsch. Habe mal etwas im Internet gefunden, vielleicht helfen ja die Adressen etwas weiter: http://www.mercedesclubs.de/bb/wbb/inde ... ostID=8643
Zur Info, der Halda Twinmaster wird mit einer Untersetzung von 1:8 angetrieben. Dazu wird in die Tachwelle ein T-Schneckengetriebe eingesetzt. Hier ist mal ein Link wo es zumindest eine Übersicht gibt (wenn man sucht gibt es auch günstigere Preise). Dort sind T-Stücke 1:8 und auch 1:1 aufgeführt: http://www.halda.de/
Interessant wäre der Eingang des Kienzle. Passt die Wartburg Tachowelle? Nach meinen Infos ist der Anschluß der Gleiche wie beim 356er Porsche.
Wenn Du ein wenig Englisch kannst und es Dich interessiert kannst Du auch mal hier schauen: www.haldaman.com
Ach, eine Frage noch: Wie wird den der Kienzle geeicht? Hat der Sachsenring P240 auch eine Wegdrehzahl von 1,00?

Grüße: rallye311
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Do 18 Feb 2010 23:43:44

Erstmal danke für die Infos zum Thema Taxameter. Die Anschlüsse der DDR-Tachowellen passen definitiv nicht - die Welle wird am Taxameter eingesteckt und es gibt keine Überwurfmutter. Mutmaßlich passen die Wellen und die Weiche von Halda.
Anschließen möchte ich das Taxameter zwar nicht (in meinem Wagen war ja ursprünglich keines verbaut) aber ich möchte schon gerne wissen, wie es funktioniert.

Aktuell beschäftigt mich mein Motor ein bißchen. Nachdem ich ihn komplett zerlegt habe, habe ich ein einige Zweifel, ob nach der Überholung auch wirklich "satte" 37PS herauskommen.
Die Motornummer beginnt mit "E9..." Gießdatum des Blocks ist 2/56.
12-Bolzenmotor-Block.jpg

Demnach habe ich einen F9 Ersatzmotor vor mir. Allerdings war ein Wartburg Zylinderkopf mit Nierenbrennraum montiert. :eek: Warum das so ist, läßt sich nicht mehr aufklären. Meine erste Befürchtung, ich fahre zukünftig mit 32 PS (letzter Stand F9) bestätigt sich zunächst nicht, denn
die Leistungssteigerung von 32 PS im F9 auf 37 PS im Wartburg 311 wurde durch mehrere Maßnahmen erreicht:
- neuer Vergaser H362-5 mit von 32mm auf 36mm vergößertem Ansaugquerschnitt...habe ich
- Zylinderkopf mit Nierenbrennraum...habe ich auch
- Ersatz des Zündverteilers durch die Dreihebelzündanlage...auch das paßt
- Änderung der Einlaßsteuerzeit - hier bin ich mir nicht sicher, denn:

Was mein Motor auch hat, ist der alte zweiteilige Ansaugflansch wie er beim F9 verwendet wurde. In der Betriebsanleitung F9 von 1956 mit Anhang Wartburg ist dieser so abgebildet, wurde also wahrscheinlich auch beim EMW311 und den ersten Wartburg 311 verbaut.
Ansaugflansch_1.jpg

Und nochmal in zerlegtem Zustand:
Ansaugflansch_zerlegt.jpg


Die Frage ist nun:
Hat mein Motor die Einlaßsteuerzeiten vom F9 (EÖ und ES bei 51°und Äpfelstückchen) oder schon die vom ersten 311er Motor (54° und einige Minuten)???
Später wurde sogar auf 56° und 15' erweitert...sagt mein RH von 1960. Die genauen Daten reiche ich nach.
Ich werde das also bei der Motorüberholung prüfen und ggf. korrigieren lassen müssen. Ich zitiere ein Prospekt von 1956:
"Der leistungsstarke, äußerst lebendige Motor des "Wartburg" läßt das Fahren zur ungetrübten Freude werden. Sein schnelles Anzugsvermögen - er bringt den Wagen in 17,6 sek auf 80 km/h - ist vor allem im Stadtverkehr von großem Nutzen. Er ermöglicht Ihnen, immer Herr der Situation zu bleiben, sich aus schwierigen Lagen schnell und sicher zu befreien - einfach davonzufahren"
Na wenn das so ist...hoffen wir, daß der Aufwand belohnt wird. Leider war bis jetzt keine Gelegenheit, das gute Stück zu Hr. Rudolph zu bringen. Das wird noch :smile:
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Gruß,
Andreas
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » So 21 Feb 2010 23:52:39

Bezüglich der Steuerzeiten habe ich nachgelesen:

Die Steuerzeiten für Auslaß und Überströmkanäle (Spülung) bleiben vom letzten Stand des F9 bis zum 1000er Motor ("312") mit 45PS konstant.
Angegeben ist jeweils:
Auslaß: AÖ / AS bei 75°10' v.UT / n.UT
Spülung: ÜÖ / ÜS bei 54°50' v.UT / n.UT

Beim Einlaß erfolgte dagegen eine mehr oder weniger kontinuierliche Weitereintwicklung. Hier die gesammelten Daten:
EÖ / ES jeweils angegeben in °KW v.OT / n.OT bei:
51°35' (Angabe für F9 aus Betriebsanleitung IFA F9 mit Anhang Wartburg, Ausgabe 1956, Stand 01.10.1955)
52°05' (Angabe für Wartburg aus Betriebsanleitung IFA F9 mit Anhang Wartburg, Ausgabe 1956, Stand 01.10.1955)
54°42' (Betriebsanleitung W311, Ausgabe 1956, Stand 15.01.1956)
54°42' (Betriebsanleitung W311, Ausgabe 1957, Stand 31.12.1956)
56°15' (Reparaturhandbuch 1960, Fertigungsstand 01.04.1960, Motor mit 38PS)
56°15' (Reparaturhandbuch 1963, Fertigungsstand 02.01.1963, Motor 312, 45 PS)

Der Vollständigkeit halber noch die Daten des 50PS-Motors 353.1 - hier habe ich 2 leicht unterschiedliche Angaben gefunden:
Einlaß: EÖ / ES in °KW v.OT / n.OT
62°17' (Reparaturhandbuch W353, Ausgabe 1974, stand 31.05.1973)
62°09' (+2°35' / - 1°16') (Reparaturhandbuch W353W, 2.Auflage, Stand 01.08.1979)

Auslaß: AÖ / AS in °KW v.UT / n.UT
78°02' (Reparaturhandbuch W353, Ausgabe 1974, stand 31.05.1973)
78°06' (+1'3' / -16') für Zyl. 1+3 (Reparaturhandbuch W353W, 2.Auflage, Stand 01.08.1979)
78°06' (+1'51' / -35') für Zyl. 2 (Reparaturhandbuch W353W, 2.Auflage, Stand 01.08.1979)

Spülung: ÜÖ / ÜS in °KW v.UT / n.UT
54°51' (Reparaturhandbuch W353, Ausgabe 1974, stand 31.05.1973)
54°57' (+2°51' / -2°32') (Reparaturhandbuch W353W, 2.Auflage, Stand 01.08.1979)

Die im letzten Beitrag aufgelisteten Maßnahmen zur Leistungssteigerung von 32 auf 37PS stammen aus "Plaste, Blech und Planwirtschaft". Angegeben ist dabei auch die Änderung der Einlaßsteuerzeit auf 56°15'. Dies stimmt nach der obigen Auflistung nur bedingt, da die ersten 900er Motoren mit 36..37PS gegenüber dem F9 eine nur gerigfügig erweiterte Einlaßsteuerzeit aufwiesen. An meinem Motor ist also keine dramatische Minderleistung zu befürchten?!?
Ich möchte interessehalber dennoch rechnen und dann nachmessen....dazu bräuchte ich die Pleuellänge des 900er Motors. Weiß die zufällig jemand aus dem Kopf?
Zuletzt geändert von Dreielferschrauber am Mo 1 Mär 2010 0:13:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon onkel_jens » Mo 22 Feb 2010 9:08:00

Mein Wartburg ist Bj. 1962 und es war auch noch ein 900er Motor mit der Teilenr. 309 xxxxxxxx verbaut. Der Motorbaustempel ist sogar von 1963, was daruf schliessen läßt, daß die neueren 1000er Motoren auch erst ab 1962 die neue Teilenr. 311 xxxxxxxx bekamen. Ich muß dazu sagen, daß meiner original ein Kombi war und dort die Verbaudaten etwas anders waren. Sonst hätte ich ja nicht einen 1963er 900er Motor drin...
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon rallye311 » Mo 22 Feb 2010 15:26:24

Hallo Andreas!

Die Pleuellänge beträgt bei Allen F9/Wartburgmotoren 145mm. Übrigens hat der Norwegische F9 über den ich schon mal schrieb noch den 32er Vergaser. Dort habe ich auch die gleichen Ansaugstutzen wie auf Deinem Foto gesehen.

@Jens, es wurden auch nach 61 noch 900er gebaut und gegossen. Ich habe noch einen 65er Block (309), allerdings ohne den vorderen Kernlochstopfen, und danach gab es 900er in 1000er Gehäusen. Habe ich auch schon mal ausführlich drüber berichtet.

Grüße: rallye311
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Mi 3 Mär 2010 23:05:27

Nun müssen die in den Handbüchern angegebenen Steuerzeiten (oben habe ich noch die Daten vom 50PS-Motor ergänzt) in Kolbenweg umgerechnet werden, um nach einer Messung am Motor vergleichen zu können.
Die Herleitung der Formel erfolgt auf Basis der Kinematik des Kurbeltriebs:
Kurbeltrieb.jpg

Die Berechnung des Hubs x erfolgt dann mit:

x/Lambda = 1-cos(phi) + Lambda/4(1-cos2phi)

Lambda ist das Pleuelstangenverhältnis r/l
mit
r = Kurbelradius = 78mm/2 = 39mm und
l = Pleuellänge =145mm

Nun kann man rechnen:

F9-Motor (32PS)
phi (Einlaß öffnet/schließt) = 51°35' = 51,5833°
-> x=17,986mm v.OT

EMW311 (36PS)
phi = 52° 5' = 52,0833°
-> x=18,30mm

Wartburg 311 900 (37PS)
phi = 54°42' = 54,7°
-> x=19,96mm

Gemessen habe ich auf 2 unterschiedlichen Wegen:
1.) den Abstand der Planfläche Kurbelgehäuse zur Steuerkante Einlaß gemessen und die Kolbenhöhe davon subtrahiert. Dabei kam ich auf folgende Werte:
Zylinder 1: 18,2mm
Zylinder 2: 18,7mm
Zylinder 3: 18,7mm
2.) einen Kolben nochmals montiert (der Motor war ja schon zerlegt), die Kurbelwelle eingebaut und mittels Meßuhr direkt auf dem Kolben gemessen.
Zylinder 2: 18,7mm...der gleiche Wert wie bei der ersten Messung...super.
Steuerzeitenmessung.jpg

Was schließe ich nun aus den Rechen- und Meßergebnissen?

Die Einlaßsteuerzeit meines 12-Bolzenmotors liegt auf dem Niveau des EMW311. Das paßt letztendlich, denn der Motor hat ja noch den alten Ansaugflansch, wie er 1955 verwendet wurde. Es sollten also auch ohne Änderung die Leistungsdaten des EMW 311 machbar sein.
Zu bemerken ist die verhältnismäßig riesige Toleranz der Gehäusebearbeitung und damit auch der Einlaßsteuerzeit. Im RH für den 353er ist für das Maß Zylinderoberkante-Unterkante Einlaßkanal eine Toleranz +1,0/-0,5mm angegeben! Eigentlich dachte ich, daß diese Kante als Anlagefläche bei der Gehäusebearbeitung gedient haben müßte. Oder wurde auf der Auslaßseite angelegt und damit die Außlaßsteuerzeit genauer eingehalten?
Nunja, ich werde noch eine vorhandene Kante im Einlaß glätten, und das ganze dann so lassen. In Anbetracht der filigranen Kubelwellenlagerung, schmaler Bremsen und nicht vorhandener Sicherheitsgurte ist es ohnehin besser, mit dem 56er eine milde Gangart anzupeilen [Lenker]
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon mimi311 » Do 4 Mär 2010 8:03:43

Dreielferschrauber hat geschrieben:In Anbetracht der filigranen Kubelwellenlagerung, schmaler Bremsen und nicht vorhandener Sicherheitsgurte ist es ohnehin besser, mit dem 56er eine milde Gangart anzupeilen [Lenker]


Wohl wahr! Allein die schmalen Bremsen erziehen zu einer überlegten Fahrweise. Falls Du Deine erste Ausfahrt über den Inselsberg machen solltest: Leg bei der Talfahrt ein Päuschen ein, bevor der Schweiß auf Deiner Stirn heißer wird als die glühende Bremse!

Grüße Andreas

Ps.: Ist das Auto schon schwarz?
Grüße Andreas

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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Do 4 Mär 2010 23:09:33

Naja, bis zur ersten Ausfahrt über den Inselsberg brauche ich noch etwas -roll- . Die Strecke Brotterode - Inselsberg - Tabarz bringt bei Beladung mit der Familie auch die breiten Bremsen an ihre Grenzen. Aber gut, auch eine Bremse braucht ab und an höhere Temperaturen, sonst verglasen die Beläge.
Im Moment ist bei mir wieder Winterpause, danach wird die Vorderachse aufgebaut...bis zur Lackierung ist es noch ein Stück Arbeit.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » Di 23 Mär 2010 22:56:05

Endlich ist die Kälte vorbei...an den letzten beiden Wochenenden war erstmal Bäume schneiden und Garten aufräumen angesagt. zum Glück blieb noch etwas Zeit zum Dreielferschrauben.

Nachdem die Schwenklager neue Alubuchsen bekommen haben, habe ich bei Federgabeln und den unteren Gelenkzapfen das Längsspiel eingestellt. Eine ziemliche Frickelei, wenn es hinterher nicht zu sehr klappern soll.
Dann wurden die Teile von Hand mit grobem Schleifpapier entrostet.
Schwenklager.jpg

Was mir auffiel ist die Herstellerkennung in der Bremsankerplatte, hier im Bild vor der Fertanbehandlung:
Schwenklager_Kennzeichnung.jpg

Weiß jemand, welche Firma sich dahinter verbirgt?
Nun folgten zwei Reinigungsgänge mit Spiritus und die schon erwähnte Komplettbehandlung mit Fertan. Anschließend habe ich die Teile gründlich gewaschen, trochnen lassen und dann nochmal mit Spiritus gereinigt. Seltsamerweise lösen sich noch Teile der Fertanschicht beim Trocknen, welche man unbedingt abwaschen sollte.

Mittels Tiefkühlschrank {crazy} und Heißluftföhn dann die äußeren Radlager eingebaut und verschraubt. Richtig gelesen, bei den älteren Schwenklagern werden die Radlager nicht wie später mit einem großen Seegerring gesichert, sondern mit einer Ringverschraubung verschraubt.
Und -wer hätte das gedacht- es gibt auch von dieser Ringverschraubung 2 Varianten.
Verschraubung_Radlager.jpg

In meinem Wagen waren beide Versionen vorhanden, was ich auch so belassen habe. Mutmaßlich ist die rechte Variante die ältere, sie trägt auf der Rückseite einen gestempelten EMW-Propeller. Die linke Verschraubung bietet keinen "Anschlag" für den Simmerring. Dieser wird dann bündig eingedrückt.

Die Sicherung der Ringe erfolgt durch Verstemmen {aergerlich} der Gewinde, was hier schon mehrmals erfolgt ist. Um die Verstemmung zu lösen, habe ich diese zum Teil ausgebohrt (frühere Instandsetzer haben sie offensichtlich weggefeilt, siehe Bild) und dann mit viel Geduld und einem selbstgebauten Nutenschlüssel gelöst. Anschließend mittels Gewindefeile die Gewinde wieder gängig gemacht...und schon ist ein Tag herum, ohne daß man viel erreicht hat. :eek: Bitte nicht meckern, die Ringe sehen leider mächtig lädiert aus.

Damit das Spiel beim nächsten Radlagerwechsel nicht wieder von vorne beginnt, habe ich den Hinweis aus dem 311er Reparaturhandbuch von 1960 aufgegriffen und die Verschraubungen durch jeweils einen Splint gesichert. Dazu muß man nur ein Splitloch bohren - zu beachten ist lediglich, daß das Sichern VOR der Simmerringmontage erfolgt. Nachher bekommt man den Splint nicht mehr montiert. Woher weiß ich das wohl, hmmmm -roll-
Splint.jpg


Obwohl nun gedichtete Radlager montiert sind, werden die Simmerringe zusätzlich eingebaut. Die Dichtungen der Lager sollen vor Staub schützen. Daß diese der enormen Belastung mit abrasivem Bremsstaub gewachsen sind, wage ich zu bezweifeln. Sicher ist sicher.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Tomtom » Di 23 Mär 2010 23:05:35

Andreas, schau mal hier zum Thema BfW :smile:
http://www.bfw-blechformwerke.de/index_de.php
Grüsse Tomtom
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Thilo Ka » Mi 24 Mär 2010 0:04:17

Tomtom hat geschrieben:Andreas, schau mal hier zum Thema BfW :smile:
http://www.bfw-blechformwerke.de/index_de.php


Laut einiger Hinweise aus dem MZ-Forum,wurden dort auch die Blechprägerahmen für die kleine ES/ETS/TS hergestellt.
Vielleicht kamen von dort auch die Querlenker und Schräglenker vom 353er.. -nixwissen- ?
.Thilo Ka...Tourist-Fahrer und Polo-in-See-Versenker.....
http://www.kaiserswartburg353-page.de.tl
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » So 11 Apr 2010 23:00:32

Kleines Update zwischendurch: Die Schwenklager sind inzwischen grundiert und schwarz gestrichen, ebenso Spurstangen, Köpfe, Querlenker und der hintere Stoßdämpferträger.

Am Wochenende folgte eine der ganz feinen Arbeiten:
Habe die beiden regenerierten Blattfedern + eine alte zerlegt, alle Blätter gereinigt, den Rost abgeschliffen, die verschlissenen Federenden mittels Flex + Schruppscheibe geglättet und an den Enden von unten jeweils eine schöne lange, flache Fase angeschliffen. Ein Mindestmaß an Fahrkomfort sollte dadurch auch mit Blattfedern erreichbar sein.

Damit das Auto nachher nicht dasteht wie ein Geißbock, habe ich einige Lagen der gebrauchten Feder unter die frisch gesprengten gemischt {Zahnlücke} . Jaja, das ist Anschauungssache, weiß ich. Korrigieren kann man später immer. Ich hoffe aber, einen guten Kompromiß gefunden zu haben.
So oder einen kleinen Tick höher finde ich es gut:
Dornburg_2006.jpg


Die 56er Federn haben noch keine Polyamidstöpsel, sodaß glatte Blätter und eine gute Schmierung besonders wichtig sind.
Gefettet habe ich mit MoS2-Fett, dann mittels Schraubzwingen die Federn wieder montiert.
Mehr zum Thema gibt es hier zum Thread "Blattfeder fetten"

Demnächst folgt noch die Ausrichtung nach der Beschreibung im Reparaturhandbuch.

Auch wenn es nicht zu den Arbeiten am Fahrwerk paßt: Die ersten Versuche beim Embleme Ausmalen sind sehr vielversprechend! Eine kleine Beschreibung folgt hier: Thread zum Thema Haubenembleme , wenn die guten Stücke fertig sind.
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Re: Wartburg 311 Standardlimousine Baujahr 56 als Taxi

Neuer Beitragvon Dreielferschrauber » So 18 Apr 2010 22:28:31

Ok, die Federn sind nun ausgerichtet, festgezogen und gekontert. Die Blattfedern der alten Ausführung sind an den Enden spitzer angeschrägt als die späteren mit Polyamideinlagen.
Blattfeder_alte_Ausführung.jpg

Vor dem Ausrichten der Federn wurden hinten die Stoßdämpfer montiert. Dadurch federt die Hinterachse auf beiden Seiten gleich ein - das ist deshalb wichtig, weil sich durch die Aufhängung an den Lenkerstangen der Radstand beim Einfedern ändert. Zum Ausrichten stellt man nun auf beiden Seiten den gleichen Abstand von der Hinterachse zum Herzbolzen der Vorderfeder ein.
Der feuerverzinkte (nicht original und aus meiner Sicht an einem Schönwetterfahrzeug Unsinn) Stoßdämpferträger wanderte auf den Boden und wurde durch ein unberührtes Exemplar ersetzt. Blankgeschliffen, mit Fertan behandelt, grundiert und schwarz gestrichen.
Blattfeder_hinten.jpg

Nach dem Ausrichten der hinteren Feder zur Fahrzeuglängsachse richtet man die vordere Feder parallel dazu aus. Das ist alles genau im Reparaturhandbuch beschrieben, weshalb ich mich hier kurz fasse.
Hier noch ein schönes Foto der vorderen Feder....wer gut schmiert..... :lol:
Blattfeder_vorne.jpg

Die beiden Federbügel, mit denen die vordere Feder verschraubt wird, sind auf einer Seite abgerundet. Damit sollen Kerbspannungen verhindert werden...diese runde Seite gehört also nach unten zur Feder. Steht auch so im RH...nur bei meinem Wagen waren sie falschherum montiert....deshalb der Hinweis.
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