Alte Telefonapparate an neuen Anlagen

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WABUFAN
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Alte Telefonapparate an neuen Anlagen

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Donnerstag 10. November 2011, 08:51

Telefonapparat ALT an moderner Vermittlungstechnik ( VStW / NStW ) betreiben

Dazu ist ein wenig die Funktion zu kennen.
Das wesentliche ist, das die Telefonapparate ( Teilnehmerendeinrichtung ) aus einer Batterie mit 60 V= betrieben werden. Die steht im Telefonamt ( ZentralBatterie - Amt ) und liefert die Sprechspannung, wenn der Hörer aufgenommen wurde.
Weiterhin muss man wissen, das die Telefonklingel ( Apparatewecker / Läutewerk ) mit Wechselspannung 60 V ~ und 25 Hz betrieben wird. Die Empfindlichkeit des Weckers wird mit einem Dauermagnet gesteigert. So spart man viel Rufstrom.
Diese Rufspannung liefert ein Einankerumformer - auch Ruf - und Signalmaschine genannt ( RSM ).
Mit dieser RSM werden auch die Töne im Hörer geliefert. Dabei ist die Tonhöhe 450 Hz und mit Kontakten werden die Tonabstände geschaltet.
Amtszeichen ( Morse - A ._ ), Besetztzeichen ( Morse E . . . ) und Rufzeichen ( 10 Sekundenruf _ ) werden so bereit gestellt.

Im folgenden Bild ein Apparat angedeutet und zu sehen. Dabei habe ich die Wählscheibe ( Nummernschalter ) nicht mit gezeichnet.

Telefonapparat.JPG

Ist der Hörer aufgelegt, kann ein Strom über den Kontakt GU ( Gabelumschalter ) über den Kondensator und Wecker fliessen. Da ein Kondensator für Gleichströme undurchlässig ist, kann nur der Rufstrom mit 60 V~ und 25 Hz zum Wecker gelangen.
Der Wecker wird somit mit 25 Hz betrieben. Das ist für spätere Änderungen wichtig.

Telefonapparat_25_Hz.JPG

Will man nun so einen Apparat mit Netzfrequenz von 50 Hz klingeln ( läuten ) lassen, ist eine Halbierung der Netzfrequenz notwendig.
Mit einer Diode lässt man nur eine Halbwelle zum Wecker. Damit sind aus 50 Hz die möglichen 25 Hz geworden.
Man schaltet also eine Diode in die A - Leitung.

Telefonapparat_50_Hz.JPG

Das Einfügen einer Diode hat aber auch einen Nachteil.
Der Kondensator wird auf die Scheitelspannung ( 60 V~ x 1,41 = 84,6 V= ) aufgeladen. Mehr passiert leider nicht. Der Wecker macht im günstigsten Fall einmal " bim ".
Kommen weitere Halbwellen der Rufspannung, wirken sie nicht, da der Kondensator nicht entladen wird.
Mit einem Widerstand kann man dem abhelfen. Im Bereich von 5,6 .... 22 kOhm wird der Kondensator über den Wecker entladen.

Telefonapparat_Widerstand.JPG

Nachteil ist, das die Rufspannung mit diesem Widerstand zusätzlich belastet wird.

Gleiches Problem ergab sich mit der Einführung der elektronischen GUM 70 ( Gemeinschaftsumschalter ). Da die Leitungen knapp waren, schaltete man 2 Apparate an eine Leitung. In jedem Apparat befand sich eine Weiche.
Nachteil war, das genau diese beiden sich nie anrufen konnten.

GUM_70_Platine.jpg

Auf dieser Leiterplatte ½ GUM 70 befindet sich eine Entladeschaltung für den Kondensator.

Die übernimmt man in die Schaltung.

Telefonapparat_Entladeschaltung_T.JPG

Wenn am Kondensator eine positive Spannung liegt, steuert der Transistor durch und legt den Entladewiderstand 5,6 kOhm zwischen die A - und B - Leitung. Damit wird der Kondensator in den fehlenden Halbwellen entladen. Der Wecker läutet normal und mit den gewünschten 25 Hz. Der Transistor ist ein beliebiger Silliziumtransistor für mindesten > 100 V.
Der Entladewiderstand hat keinen Einfluss auf das Gespräch. Dazu wäre eine Spannung > 0,7 V an der Basis des Transistors nötig, die im Gesprächszustand nicht erreicht wird.

Noch einige Worte zu Schaltung von Mikrofon und Hörer.
Mit dem Übertrager ( Trafo ) wird erreicht, das die eigene Sprache im Hörer stark gedämpft wird. Die Sprechspannung des Mikrofons wird gegensinnig in der Primärseite des Übertrages angelegt. Damit entsteht im Hörer fast keine Spannung. Die Widerstände 160 Ohm, 1 kOhm und der Kondensator 0,1 µF bilden eine Ersatzschaltung für die Leitung zwischen Telefonamt und Telefonapparat.
Damit lässt sich die eigene Sprache im Hörer auf Null abgleichen.
Das bezeichnet man als Rückhördämpfung.

Viel Spass beim Nachbau ... !
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig
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Re: Alte Telefonapparate an neuen Anlagen

Ungelesener Beitragvon igelsven » Donnerstag 10. November 2011, 17:10

Schöner Beitrag ,werd ich mal probieren...also auf zu Conrad -elektromik :lol:
Gruß vom Igelsven Ein Wartburg ist die einfachste Möglichkeit ein Auto zu fahren statt gefahren zu werden und dann noch zu erleben wie Es funktioniert !

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peppe
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Re: Alte Telefonapparate an neuen Anlagen

Ungelesener Beitragvon peppe » Freitag 2. Dezember 2011, 23:48

dieser 60 Volt Ruf Strom mit seinen 25 Hz war eine wirklich schmerzhafte Erfahrung.
Dagegen sind die 220 Volt mit 50 Hz ein kaum nennenswertes Kitzeln.
Durch die GUM 70 war es früher leider nur durch Umwege möglich mit seinem Zweitanschlußbesitzer zu telefonieren.
Man musste hierzu im Telefon die a b Adern vertauschen und einen geheimen Prüfanschluss anrufen. Dieser Prüfanschluss hat nach ca. 10 sek. ein Rückruf gestartet und es klingelte parallel auf beiden Anschlüssen. Man musste nur den Rufintervall verfolgen, wenn dieser nach 5 Sek. (früher 10 Sek.) nicht mehr läutete, dann wusste man dass der Zweitanschluss den Hörer abgehoben hat. Dann hob man selbst den Hörer ab und man konnte mit sein Zweitanschlussbesitzer telefonieren. Die Kosten, damals 20 Ostpfennig pro Stadtgespräch trug jedoch der Zweitanschlussbesitzer. Somit konnte man seine kompletteTelefonrechnung auf dem Zweitnutzer abdrücken, wenn man wollte, jedoch hat man auch alle eingehende Gespräche des Zweitnutzers hierzu mitbekommen. Da es mein Freund und Nachbar war, bzw. noch ist, habe ich es damals mal lieber gelassen.

peppe

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WABUFAN
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Re: Alte Telefonapparate an neuen Anlagen

Ungelesener Beitragvon WABUFAN » Samstag 3. Dezember 2011, 07:59

Selbstanruf in Leipzi bis System 50 / ATZ 64 : 173 + Rufnummer
War der Anschluss besetzt, erhielt man das Besetzeichen Morse E ( . . . . ).
Mit Wahl der Ziffer Null wurde eine Sprechverbindung zu den Teilnehmern hergestellt. Man konnte in die Verbindung sprechen. Die Teilnehmer erhielten das Zeichen FAZ ( FernAmtsAufschaltzeichen [ - .. Morse D ] ). Die Sprechverbindung war auf 30 sek. begrenzt.
Ab 1980 wurde das System erweitert. Da viele Telefonämter im ländlichen Bereich unbesetzt waren, erfand man die " FernMessWählEinrichtung - FMWE ". Damit war man in der Lage, über die normale Telefonleitung Messungen an Telefonanschlüssen zum Apparat hin durch zu führen, ohne im Ortsamt zu sein.
Kein Entstörer musste zum Telefonamt mit dem Trabbi mehr fahren ....
Das unbesetzte Telefonamt wurde im SWF - Verkehr ( SelbstWahlFernverkehr ) angewählt.
Nach der Vorwahl wurde die Null gewählt. Man erreichte die Fernmesswähleinrichtung.
Anschliessend die Rufnummer des defekten Apparates.
Wurde der benutzt, erhielt man das Besetzzeichen.

Dazu muss man die Struktur der Rufnummernvergabe kennen.
Die 1 war die Notrufgruppe und dort fand man die 19 - Zeitansage, die Störungannahme privat 170, die Störungsannahme Betriebe 171, die 110 - 112 - 115 Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen.
Ansagedienst waren ab der 160 ... 169. Zur Messe in Leipzig wurden die Ansagedienste auch auf 150 ... 159 erweitert.
Das führte dazu, das man zur Messe zeitweise nach der Wahl der Ziffer 1 das Besetzzeichen erhielt und die Notrufe nicht erreichbar waren ... !
Telefonanschlüsse wurden ab der 2 ( xxx ) ... 6 ( xxx ) und 8 ( xxx ) vergeben.
Betriebe erhielten die 7 ( xxx ) bei Durchwahlanlagen ( GWN [ Grosswahlnebenstellenanlagen ]).
Wählte man die 90 erreichte man das Fernamt Innland und die 91 Fernamt Ausland.
Wählte man die Null wollte man zu einem anderen Ort im Selbstwahlverkehr.

War aber der Anschluss frei, konnte man mit 20 Impulsen die Verbindung Telefonleitung - Telefonamt trennen.
Mit der Wählscheibe ( NummernschalterImpulsGeber ) konnte jeder aber nur 10 Impule wählen. So war ein Missbrauch ausgeschlossen - es denn, man verstand den " Klapperatismus " und wusste mehr ....
Der " Prüfschrank " konnte das mit Zahlengeberstreifen.
Mit der Ziffern 1 ... 18 konnte man dann die Leitung messen und diese Singnale wurden per Töne übertragen. Die Tonhöhe wurde ausgewertet und zu einem Instrument für die Anzeige gebracht.
Als wäre man vor Ort ( am Prüfschrank 50 ) und die Messwerte waren erstaunlich genau.
Herzliche Grüsse von Andreas aus Leipzig

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