Autobahnen zu DDR-Zeiten

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Der Schreiber
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Autobahnen zu DDR-Zeiten

Ungelesener Beitragvon Der Schreiber » Donnerstag 23. November 2006, 18:41

Autobahnen zu DDR-Zeiten

Am Beispiel der Strecke Dresden-Bautzen

Die Autobahnen zu DDR-Zeiten waren zum Teil sehr idyllisch anzuschauen aber auch kreuz-gefährlich.

Bild
Das Bild passt nicht so wirklich zu dem beschriebenen Strecken-Abschnitt, aber doch in den Gesamt-Zusammenhang. Man beachte die Hervorhebung von Berlin als "Hauptstadt der DDR" und die Namensgebung von Chemnitz, die uns damals ganz geläufig vorkam.

Vieles von dem, was uns heute so selbstverständlich ist, fehlte völlig. Einfädel-, Verzögerungs- oder Beschleunigungsspuren waren eher die Ausnahme und das Räumen der rechten Fahrspur um jemanden "rein" zu lassen war offiziell sogar verboten.
Leitplanken, zuverlässig sichere Fahrbahn-Beläge oder Standspuren für Pannenfahrzeuge waren ebenfalls nicht selbstverständlich.

Die Anschluss-Stellen zur Autobahn waren teilweise in einem abenteuerlichen Zustand. Oft bestand noch die Original-Bausubstanz aus den 30iger Jahren, es gab enge Kurven, glitschiges Kopfsteinpflaster, abenteuerliche Verkehrsführung.

Die Haupt-Transit-Strecken (vor allem für den Berlin-Transit) waren in den späteren Jahren dank den Zahlungen aus Bonn zwar fast dem internationalen Standard angepasst, die Nebenstrecken führten zuweilen ein Schattendasein.
Die Verkehrsdichte war nur ein Bruchteil dessen, was wir heute normal nennen.

Ich erinnere mich an Fahrten auf völlig leeren Straßen, vor mir nichts, hinter mir nichts, auf der Gegenspur nichts...
Weite Ausblicke in eine ursprüngliche Landschaft, die nicht durch Lärmschutz-Wände, Leitplanken oder reichlich dimensionierte Beton-Architektur verstellt war.

Die Einhaltung der restriktiven Geschwindigkeits-Beschränkungen war (das gebe ich zu) manchmal mühsam!

Wenn dann aber die richtige Musik aus dem Radio trällerte (DT-64), die Sonne das übliche grau sanft beleuchtete, dann war fasst Uhrlaubs-Stimmung...

Der Schwebezustand endete aber spätestens zur vollen Stunde abrupt, wenn in den Nachrichten die übliche endlos monotone Litanei der Titel und Untertitel runtergebetet wurde. Es war eben durchaus schwierig, die DDR und ihren spröden Charme zu entdecken!

Zur Erinnerung an diese Zeit, deren Umstände und Begleiterscheinungen möchte ich den Leser in den Südosten der Republik entführen und ganz abseits der großen Strecken ein paar Kuriositäten zeigen.


Echt knuffig war der Streckenverlauf der A4 kurz vor Bautzen.

Bild
Hier ein Bild von der Situation an der Anschluss-Stelle Ohorn. Man beachte die Trassierung der Ausfahrt auf dem Bild. (Aufnahme 1990) Foto: Wolfgang Jäger

Hier bestand eine provisorische Anbindung von der Autobahn an die Ortsstraße. Es gab zwar mehrfach Bemühungen, diesen Zustand zu ändern. Das Vorhaben wurde jedoch nie über ein Planungs-Stadium hinaus abgeschlossen.

Das sieht echt idyllisch aus! Aber möchte vielleicht jemand mit schlecht eingeschätzter Geschwindigkeit in diese Ausfahrt rasen?

Im weiteren Verlauf war die Autobahn nur zweispurig und über weite Abschnitte mit Kopfsteinpflaster belegt. Unter welchen Arbeitsbedingungen das einstmals gebaut wurde, ist nicht überliefert!
Bei tiefstehender Sonne glänzten die Steinchen wie Speckschwarte. Die Straße war so ausgewaschen, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung (40 soweit ich mich erinnere) schon zu Recht bestand...
Leider habe ich davon kein Foto, aber das hier spricht auch Bände!

Bild
Straßenzustand der A4 zu DDR-Zeiten (bei Bautzen)

Als Ergebnis ist ein Großteil des Verkehr auf die ohnehin überlastete F6 ausgewichen. Das änderte sich erst, als nach der Wende eine General-Instandsetzung der A4 als vordringlich eingestuft war.

Bild
Zustand A4 zwischen Dresden und Bautzen nach Instandsetzung der 2. Richtungsfahrbahn (Aufnahme 1993)

Die Autobahn endete bis 1977 in Bautzen. (Heute Bautzen-West)
Die einzig größere Baumaßnahme war der Neubau der Spreetalbrücke, Richtungsfahrbahn Dresden – Bautzen (1973 bis 1977). Die wurde erforderlich, um die in Bautzen-Teichnitz produzierten Betonplatten direkt über die Autobahn zum Aufbau des Wohngebietes Bautzen-Gesundbrunnen zu transportieren. Die Stadt war schon damals nicht in der Lage, diesen Verkehr aufzunehmen. Die Autobahn führte dann bis Burk (heute Bautzen-Ost).
Das war jedoch vor meiner Reise-Zeit...

Im weiteren Verlauf der Strecke waren auf der nicht genutzte Trasse Getreide-Speicher aufgebaut, die wie eine Perlenkette aufgereiht gewesen sind. Die Geschichte dazu:
Aufgrund der Unterbrechung der Autobahn zwischen Bautzen-Ost und Bautzen-West durch die Sprengung der Spree-Brücke 1945 war die Frequentierung des Abschnittes Bautzen-Ost – Weißenberg gering. Dies führte im Jahre 1965 zur Entscheidung der Regierung der ehemaligen DDR, diesen Abschnitt als Straße zu entwidmen und ihn für die Einlagerung einer Getreidestaatsreserve vorzusehen. So entstanden ab 1966 auf diesem Autobahnabschnitt 66 aneinandergereihte Getreidelagerhallen. Die insgesamt 16 Kilometer der A 4 zwischen Bautzen-Ost und Weißenberg wurden zudem eingezäunt und waren damit für die Öffentlichkeit unzugänglich.

Bild
Getreidespeicherhallen auf der A4 bei Weißenberg (Aufnahme 1990)

Bild
Nochmal die Hallen, diesmal aus der Vogelperspektive

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Für die Erlaubnis, diese Bilder hier einstellen zu dürfen, meinen herzlichen Dank an Henning Maruhn von http://www.autobahn-online.de
Dankeschön!

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TOXXY
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Da gabs doch noch...

Ungelesener Beitragvon TOXXY » Montag 27. November 2006, 20:32

eine (gemauerte) Brücke, die nur halbfertig (einsseitig) zu befahren war...
kann ich erinnern, war da mal zu Fuss als Jöhr... Nun die Preisfrage: wo war das???

Das wäre auch noch was für meine Galerie...

Gruss TOXXY
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Ungelesener Beitragvon Tobias Yello' Thunder » Montag 27. November 2006, 21:07

Bei Erkner (östlich von Berlin) gab es eine "halblegale Ausfahrt". D. h. wer Sondergenehmigung hatte, durfte raus. Zum Beispiel mein Fahrlehrer. Der hat mir vor der Motorradfahrstunde (übrigenz auf einem zweihunderfünfziger Eisenschwein) eingehämmert, daß ich ihm einfach folgen sollte, egal wohin er fährt. An der Stelle wäre ich auch niemals freiwillig raus. Sperrschild und besserer Feldweg, mit Löchern drinne groß genug um einen Trabi drin zu versenken...
War aber fast der einzige Weg, das Kaff zu erreichen. Aber "Abfahrt" wäre dann doch zuviel der Ehre als Bezeichnung für diese "Autobahnverlassensmöglichkeit" gewesen.

Tobias
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Ungelesener Beitragvon WartburgPeter » Montag 27. November 2006, 21:09

In Lumpenfelde, äh Ludwigsfelde, gab es auch so eine nette inoffizielle (NVA-) Abfahrt..., die ich zu jenen Tagen oft nehmen durfte...
Beste Grüße
Peter

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Rolf
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Re: Da gabs doch noch...

Ungelesener Beitragvon Rolf » Dienstag 28. November 2006, 00:07

TOXXY hat geschrieben:...eine (gemauerte) Brücke, die nur halbfertig (einsseitig) zu befahren war...


Im Verlauf der A4 zwischen Nossen und Dresden gab es mindestens zwei Stellen, wo die Autobahn-Brücke über ein Tal nur halbseitig fertiggestellt war. Eins war Berbersdorf, die zweite weiß ich jetzt nicht... 8)

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Ungelesener Beitragvon TOXXY » Mittwoch 18. April 2007, 22:46

Hallo,

Schaut mal was ich gefunden habe...

Hatte das zwar noch irgendwie im Knetespeicher, wusste aber nicht das ich unten war und auch Fotos gemacht habe...

Auf den Bildern voher ist Ostsee daher meine Vermutung, zwischen B und Ostsee...

Bilder stammen von 84. sind total dusta... deshalb meine Idee, so ist wenigsten was zu erkennen...

Es ist die Brücke die ich 4 Beiträge voher meinte.

Bild (->klick mich!)

Bild (->klick mich!)

Bild (->klick mich!)

Gruss
TOXXY
Zuletzt geändert von TOXXY am Mittwoch 30. Mai 2007, 01:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Da gabs doch noch...

Ungelesener Beitragvon Kolumbus » Mittwoch 2. Mai 2007, 12:45

Rolf hat geschrieben:
TOXXY hat geschrieben:...eine (gemauerte) Brücke, die nur halbfertig (einsseitig) zu befahren war...


Im Verlauf der A4 zwischen Nossen und Dresden gab es mindestens zwei Stellen, wo die Autobahn-Brücke über ein Tal nur halbseitig fertiggestellt war. Eins war Berbersdorf, die zweite weiß ich jetzt nicht... 8)


Hallo Rolf,

also an eine Stelle, die zwischen Berbersdorf und Siebenlehn kann ich mich gut erinnern. Da stand ich bei den Heimfahrten vom Studium immer schön im Stau, wenn ich nicht rechtzeitig die Abfahrt erreicht hatte. Aber an eine zweite solche Stelle kann ich mich nicht erinnern.

Aber A72 Brücke über die Zwickauer Mulde (Wilkau-Hasslau) war auch noch so eine Stelle. Allerdings ging es ab Zwickau Ost eh nur noch 2 spurig weiter... Aber die Brücken standen fast alle schon.

Ralf
Zwei linke Hände, aber man kann es doch mal versuchen ;-)

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Ungelesener Beitragvon kat » Freitag 4. Mai 2007, 21:57

Hi,

die Brücke bei Finowfurt war auch nur auf der westlichen Seite der Autobahn nach Prenzlau/Stettin (also Rtg. Berlin) existent. Ich kann mich noch an die schlechte Beleuchtung (nur 3 Blinkleuchten, die oft sehr schwach waren) erinnern.

Gruß
Stefan

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Ungelesener Beitragvon Kaulis-Wartburg-Kilometer » Freitag 4. Mai 2007, 22:24

Hallo Kat

Bis vor 2-3 Jahren war die A11 noch so schlecht, dass man dachte, dass das Auto auseinander fällt, zumindest zwischen Greifenwald bei Angermünde und Prenzlau.
An die Brücke kann ich mich nicht entsinnen, aber an die kleine Autobahnabfahrt Buckowsee, wenn ich mich noch recht erinnere.
Das ging von dort aus zur Pionierrepublik Werbelinsee bzw Altenhof oder Buckow-Lichterfelde.

Schöne Grüße euer Kauli 8)

H
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Ungelesener Beitragvon TOXXY » Mittwoch 30. Mai 2007, 01:56

Hallo,

Herzlichen Glühstrumpf Rolf!!

Du hast die Brücke erkannt ohne sie zu sehen!!!

Es handelt sich hier un die Striegistalbrücke, auf der A4 zwischen Hainichen und Berbersdorf, es ist die Brücke über die kleine Striegis.
Bj 1936, als mehrstegige Stahlblechträgerbrücke
1945 zerstört
1953 als Gewölbebrücke von DDR neugebaut

Gruss
TOXXY
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